Der klinische Fall: Tetanus bei einer Färse
A. Nitzschke, K. Doll
Zusammenfassung
Gegenstand und Ziel: Beschrieben werden die klinische Symptomatik, die Therapie und der Krankheitsverlauf bei einem an Tetanus erkrankten Rind. Material und Methoden: Eine 19 Monate alte Färse der Rasse „Deutsche Holsteins“ wurde wegen verminderter Futteraufnahme und Pansentympanie in die Klinik eingeliefert. Die Befunde der Eingangsuntersuchung sprachen für Tetanus: steifer Gang, leicht abduzierte Gliedmaßen, steif gestellte Ohren, Vorfall des dritten Augenlids, Strabismus divergens, Pansentympanie, harte Bauchdecke. Auffälligster Laborbefund war eine metabolische Alkalose (BE +12,0 mmol/l) mit leichter Hypokaliämie (K+ 2,9 mmol/l). Eine mögliche Eintrittspforte für die Erreger war nicht erkennbar. Ergebnisse: Zur Beseitigung der Pansentympanie und zur Eingabe von Flüssigkeit und Nährstoffen wurde eine temporäre Pansenfistel angelegt. Das Tier wurde 7 Tage lang mit Procain-Penicillin behandelt (einmal täglich 50000 IE/kg KM s. c.) und erhielt zur Verminderung der Muskelspasmen Xylazin (in den ersten 10 Tagen alle 4 Stunden, danach bis zum 24. Tag alle 6 Stunden jeweils 0,11 mg/kg KM s. c.). Am 30. Tag nach Behandlungsbeginn konnte die Färse geheilt entlassen werden. Schlussfolgerung: Pansentympanie stellt bei Rindern mit Tetanus ein häufiges Symptom dar. Insofern ist diese Erkrankung differenzialdiagnostisch als Ursache einer solchen Störung mit in Betracht zu ziehen. Klinische Relevanz: Selbst bei mäßig ausgeprägter Tetanussymptomatik und erfolgreichem Ansprechen auf die Therapie muss mit einer Krankheitsdauer von etwa 4 Wochen gerechnet werden. In Anbetracht des hohen Behandlungsaufwandes kommt daher ein Therapie‧versuch im Wesentlichen nur bei wertvolleren Rindern infrage. Stichworte
Therapie, Symptome, Rind, Tetanus